Zeit, neue Tätigkeiten auszuprobieren.

Erwerbsarbeitslosigkeit wird gesellschaftlich negativ bewertet. Sie wird leider immer noch als Zeitabschnitt gesehen, der nicht viel wert ist, als Übergangssituation und Wartezeit – eine peinliche Leerstelle im Lebenslauf. Doch Betroffene können den Spieß auch umdrehen. Wenn schon „gewartet“ wird, dann können sie in dieser „Wartezeit“ Dinge ausprobieren, für die sie bisher nicht die Zeit und Möglichkeit hatten.

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Diese negative Bewertung von Erwerbsarbeitslosigeit ist im Grunde nicht mehr zeitgemäß: Erstens gehören Abschnitte von Erwerbsarbeitslosigkeit in zunehmendem Ausmaß zu einer normalen Arbeitsbiographie dazu. Zweitens entscheiden sich viele ArbeitnehmerInnen auch absichtlich für Auszeiten oder Modelle reduzierter Arbeitszeit (Teilzeit). Durch die negative Sicht auf die Erwerbsarbeitslosigkeit bzw. durch die zu einseitige Konzentration auf die Erwerbsarbeit geht der Gesellschaft großes Potential verloren. Es gibt nämlich eine Vielzahl sinnvoller Tätigkeiten jenseits der Erwerbsarbeit (und in vielen Zwischenbereichen), die gesellschaftlich viel zu wenig anerkannt sind. Es wird noch zu wenig erkannt, dass die erwerbsarbeitsfreie nicht nur eine Zeit zum Konsumieren und zum Erholen ist (vergleiche dazu auch Punkt 4. Es ist auch eine Zeit um zu experimentieren, zu kommunizieren, sich auszutauschen, zu lernen, sich auf die Suche zu machen. Alles dies wird aber in auf Flexibilität und ständige Innovation setzenden Gesellschaften wie der unsrigen in hohem Ausmaß gebraucht. Deshalb müssen die „Auszeiten“ aufgewertet werden. Für den oder die Einzelne bedeutet dies: sich selbstverständlich die Freiheit nehmen, verschiedene Dinge zu probieren. Dasjenige tun und verfolgen, wofür bisher zwar Interesse, aber nicht Zeit und Möglichkeit da war. Sich die Frage stellen, was man wirklich gerne tun würde, und dann gemeinsam mit anderen praktische Versuche in diese Richtung unternehmen.

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